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Der Lehrer "Meister" im Budo


Zum Meisterprinzip in den
Budo - Künsten

 

Die Bezeichnung „Sensei“ ( sen = vorher, sei = Leben) wird oft missverstanden. Der Wortinhalt bedeutet zunächst einen Lehrer mit Vorbildfunktion. Im Budo ist der Meister nur anfangs ein Lehrer, später ist er ein Begleiter auf dem Weg des „DO“.  Gibt jemand nur die Technik weiter, bezeichnet man ihn besser als Trainer.

 

1. Drei Meister - In den Budokünsten vertritt man die Vorstellung von drei Meistern, nämlich:

 

a) der ewige Meister   - ist keine lebende Person, sondern ein Ideal,

                                  eine Fiktion als Symbol von geistiger und

                                  technischer Perfektion, die kein

                                  leibhaftiger Meister erreicht, die aber stets

                                  Ziel des Strebens ist.

 

 b)  der Lehrer           - der leibhaftige Meister, er hat die

                                  Prinzipien der formalen Technik

                                  gemeistert. Er ist auf dem gleichen Weg 

                                  wie seine Schüler, aber schon weiter. Er

                                  kennt die Hindernisse auf dem Weg der

                                  inneren Reife. Er begleitet seine Schüler so

                                  lange, bis er sie auf sein Niveau geführt hat

                                  und die Schüler ihren Weg selbst gehen

                                  können.

 

c) der innere Meister - der Schüler, der in sich das Ziel erkannt hat,

                                  über die Meisterung der Technik hinweg

                                  eine ganzheitliche Persönlichkeit zu

                                  werden und den festen Vorsatz gefasst hat,

                                  beharrlich an sich zu arbeiten.

 

2. Über Selbstverständnis und Aufgabe eines Budo-Meisters:

    a) Der Meister unterrichtet Techniken, doch den Weg lehrt er

        durch seine Persönlichkeit.

    b) Was ein Meister bewirkt, geschieht nicht durch sein Wissen

        oder Können, sondern durch das Beispiel, das er durch seine

        Haltung gibt.

    c) Nimmt der Meister einen Schüler an, fühlt er sich für dessen

        Werdegang mitverantwortlich und verpflichtet sich, ihn bis

        zum höchstmöglichen Niveau zu führen.

    d) der leibhaftige Meister ist keine endgültige Autorität, sondern

        nur ein Mittler zwischen dem Ideal des ewigen Meisters und

        dem inneren Meister im Schüler.

    e) Der Meister will keine Kopie, auch keine von sich selbst; er

        will den selbstständig denkenden, verantwortenden und

        handelnden Menschen.

    d) Das einzige, was den Meister interessiert, ist der Kampf des

        Schülers gegen sein ICH. Jenseits der Technik lehrt der

        Meister im Grunde nichts, er überwacht nur das Ringen des

        Schülers um einen von Egoismen befreiten selbstständigen

        Geist.

     e) Der wahre Meister überzeugt nicht durch das, was er sagt,

        sondern dadurch, dass er es ist, der es sagt. Dies setzt jedoch

        ein hohes Maß an fachlicher und menschlicher

        Vorbildfunktion voraus.

    f) Der glaubhafte leibhaftige Meister wirkt im Zeichen der

        Demut vor dem Ideal des „ewigen Meisters. Eine wirkliche

        Meisterpersönlichkeit wird sich daher nie selbst mit einem

        Titel wie Meister, Sensei  oder o.ä. bezeichnen. Dies wäre

        Unsinn und ein Widerspruch in sich.

 

"Der Meister der Kampfkünste: Er hat den Schüler nicht gesucht, noch hält er ihn davon ab ihn zu verlassen.  Der Schüler mag in die Fußstapfen seines Meisters treten oder einen anderen Pfad wählen - die Entscheidung liegt immer bei Ihm".
                                                            
(aus: Der Weg der leeren Hand - von Joe Hyams)